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IFK-Interview zur Bundestagswahl: Dr. Roy Kühne, CDU 

Dr. Roy Kühne (CDU) ist Mitglied im Ausschuss für Gesundheit des Bundestages. Der IFK hat den gelernten Physiotherapeuten mit Blick auf die Bundestagswahl am 26. September 2021 gefragt, wie er zu den gesundheitspolitischen Themen steht, die für die selbstständigen Physiotherapeuten relevant sind. 

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Selbstständige Physiotherapeuten sind ein wesentlicher Bestanteil der ambulanten Gesundheitsversorgung in Deutschland. Das Lohnniveau in der Physiotherapie ist jedoch seit Jahren viel zu gering. Das belastet gerade ambulante Physiotherapiepraxen und führt dazu, dass eine flächendeckende ambulante Versorgung mit Physiotherapie – insbesondere fern der großen Zentren – akut bedroht ist. Wie können Ihrer Meinung nach Wirtschaftlichkeit und Konkurrenzfähigkeit in der ambulanten Physiotherapie hergestellt werden?
Dr. Roy Kühne: Ambulante Versorgung und stationäre Versorgung müssen gleich bezahlt werden. Hier gilt der TVöD. Wir haben in den vergangenen Jahren viel erreicht – die Therapieberufe sind in den Fokus gerückt. Jetzt ist die Selbstverwaltung gefragt: Verbände und Krankenkassen sollen miteinander verhandeln, um genau diese Ungleichgewichte abzubauen.

 

 

Wie stehen Sie zu der Forderung des Bundesverbands selbstständiger Physiotherapeuten (IFK), Patienten den Direktzugang zur Physiotherapie zu ermöglichen?
Dr. Roy Kühne: Hier gilt es noch vieles zu klären. Generell ist der Direktzugang längst überfällig – wird ja sogar in der Praxis bereits gelebt.

 

 

Die Telematik-Infrastruktur (TI) wird in Kürze unter anderem die Kommunikation zwischen den verschiedenen Akteuren im Gesundheitssystem erleichtern. Wie sehen Sie in diesem – digitalen – Gefüge die Rolle der Physiotherapeuten? Setzen Sie sich mit dem IFK dafür ein, dass Physiotherapeuten von Anfang an gleichberechtigte Partner in dieser interprofessionellen Zusammenarbeit sein werden – beispielsweise indem sie volle Lese- und Schreibrechte bei der elektronische Patientenakte erhalten?
Dr. Roy Kühne: Natürlich müssen die Gesundheitsfachberufe mit in die TI eingebunden werden. Alles andere kostet Zeit und damit Geld.

 

 

Digitale Gesundheitsanwendungen, also zum Beispiel therapieunterstützende Apps, sind derzeit auf dem Vormarsch. Zum jetzigen Zeitpunkt können diese aber lediglich von Krankenkassen, Ärzten und Psychotherapeuten ausgegeben, also verordnet werden. Unterstützen Sie die Forderung des IFK, dass dieses Recht auf Physiotherapeuten ausgeweitet werden sollte?
Dr. Roy Kühne: Auch hier muss klar gesagt werden, dass die Therapeuten ihren Patienten diese Anwendungen mit verschreiben können müssen. Therapeuten geben meistens ja doch „Hausaufgaben“ mit – warum dann nicht gleich digital.

 

 

Das Berufsgesetz, auf dem die Ausbildung der Physiotherapeuten basiert, muss dringend überarbeitet werden. Ziel muss aus Sicht des IFK neben einer grundlegenden Modernisierung der Ausbildungsinhalte auch die Überführung in eine vollständig akademische Ausbildung aller Heilmittelerbringerberufe sein. Wie stehen Sie dazu?
Dr. Roy Kühne: Schaut man sich international um – und das sollten wir tun –, wird es über kurz oder lang in diese Richtung gehen. Es sind aber noch viele Fragen zu klären, zum Beispiel wie mit den vielen erfahrenen Therapeuten umgegangen wird. Diese dürfen wir nicht verlieren.

 

 

Die wirtschaftlichen Schäden durch die Corona-Pandemie wirken sich auch auf die Finanzierung der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) aus. Die GKV finanziert sich überwiegend durch Beiträge und einen jährlichen Bundeszuschuss. Wie möchten Sie dafür sorgen, dass hier auch in den kommenden Jahren verlässliche Zahlungsgrößen und vor allem Kontinuität garantiert werden können?
Dr. Roy Kühne: Die wirtschaftliche Stabilität der Krankenkassen muss gewährleistet sein. Fakt ist aber, dass auch Ressourcen innerhalb unserer Kostenstrukturen diskutiert werden müssen. Es ist ein guter Zeitpunkt mal zu hinterfragen: Was bringt eigentlich was in unserem Gesundheitssystem? Hier ist nach meiner Meinung ein gutes Einsparpotenzial vorhanden, was sicherlich unsere Krankenkassen entlasten würde – und damit die Beitragszahler.

 

 

Nicht zuletzt die ungewisse Situation nach dem ersten Corona-Lockdown im Frühjahr 2020 hat verdeutlicht, dass das Unternehmerrisiko ein nicht zu unterschätzender Faktor für selbstständige Physiotherapeuten ist. Praxisinhaber müssen die Möglichkeit haben, für das Alter vorzusorgen, ohne dass dieses Vermögen zum Beispiel während Krisenzeiten oder im Krankheitsfall zum Ausgleich von Erwerbsausfall herangezogen werden muss. Dennoch gibt es einzelne politische Bestrebungen, die dieses sogenannte „Schonvermögen“ Selbstständiger angreifen möchten. Wie stehen Sie dazu?
Dr. Roy Kühne: Wenn wir Unternehmern in der Gesundheitsbranche nicht irgendwie Wagnis und Gewinn zubilligen, sodass sie zum Beispiel Rücklagen, Rente etc. aufbauen können, wird es bald keine privaten Anbieter mehr geben. Darauf basiert aber unsere Versorgungsstabilität. Das müssen die Verbände und auch die Krankenkassen der Politik klar signalisieren.

 

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