AOK Sachsen-Anhalt lehnt Vergleich ab – Schiedsspruch folgt in Kürze

Im Schiedsverfahren der physiotherapeutischen Berufsverbände (IFK, VPT, VDB-Physiotherapieverband und PHYSIO-DEUTSCHLAND) gegen die AOK Sachsen-Anhalt widerrief letztere drei Minuten vor Ablauf der Frist den vereinbarten Vergleich vom 19.06.2018 und verband dies mit einem Gegenvorschlag, der deutlich von dem in der vorigen Woche getroffenen Konsens abweicht.

Der nach äußerst schwierigen und langwierigen Verhandlungen unter Moderation der Schiedsperson zunächst vereinbarte Vergleich, der die Preise bis zum Jahr 2019 um insgesamt rund 47,8 % erhöhen sollte, tritt damit nicht in Kraft.

Wir halten das Verhalten der AOK Sachsen-Anhalt für unerträglich, trotz der nachweislich höchst dramatischen Situation in der Physiotherapie, diesen gemeinsam getroffenen Konsens zu widerrufen. Damit bringt die AOK weiterhin der Arbeit der Physiotherapeuten im Land keinerlei Wertschätzung entgegen und trägt dazu bei, dass sich die betriebswirtschaftlichen Probleme vieler Praxen verfestigen. Ebenso besteht durch das Handeln der AOK auf absehbare Zeit keine Chance für eine höhere Angestelltenvergütung. Und das alles als einzige Kasse Deutschlands, die gleichzeitig eine der reichsten ist!

Für das von der AOK vorgebrachte Gegenangebot über 32 %, das den gemeinsam getroffenen Konsens deutlich unterschreitet, gibt es keinerlei Grundlage. Die Argumente über die Höhe der neuen Vergütungssätze wurden im Rahmen der Schiedsverhandlungen ausführlich ausgetauscht und dabei ein fairer Kompromiss erzielt zwischen den noch deutlich höheren Forderungen der Berufsverbände und dem ursprünglichen Angebot der AOK. Die physiotherapeutischen Berufsverbände halten im Übrigen selbst die im Konsens vorgesehene Vergütungserhöhung noch immer nicht für ausreichend, um die Probleme des Fachkräftemangels und der unzureichenden Vergütung der Praxisinhaber nachhaltig zu beseitigen. Es wäre aber ein sehr wichtiger erster Schritt in diese Richtung gewesen, den die AOK leider nicht bereit ist mitzugehen. Die Gewährleistung der Versorgung der Versicherten mit physiotherapeutischen Leistungen scheint daher ganz offensichtlich nicht im Interesse der AOK zu sein.

Fakt ist: Eine Erhöhung der Preise steht in jedem Fall unmittelbar bevor. Die Schiedsperson wird in wenigen Wochen einen Schiedsspruch zur Gebührenanhebung sprechen. Leider müssen sich die Praxisinhaber erneut noch etwas gedulden, bis das Verfahren abgeschlossen ist. Sicher ist, dass die Vergütungen dann steigen werden. Nach genauer Auswertung des Widerruf-Schreibens der AOK und Abstimmung über das weitere Vorgehen werden die physiotherapeutischen Berufsverbände ihre Mitglieder noch einmal gezielt über die möglichen Konsequenzen informieren. Ferner informieren wir Sie selbstverständlich sofort, sobald das Schiedsverfahren durch den Schiedsspruch abgeschlossen wurde.

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